CLERICAL MEDICAL / SCOTTISH WIDOWS EUROPE VOR ERNEUTEM EIGENTÜMERWECHSEL !

Für viele Kunden begann die Geschichte vor vielen Jahren mit Clerical Medical. Später wurden die europäischen Vertragsbestände unter Scottish Widows Europe S.A. weitergeführt. Nun steht der nächste Eigentümerwechsel bevor!

Chesnara plc beabsichtigt, Scottish Widows Europe vollständig zu übernehmen

Die entsprechende Vereinbarung wurde bereits geschlossen; der endgültige Vollzug wird gegen Ende 2026 erwartet und steht lediglich noch unter dem Vorbehalt der erforderlichen aufsichtsrechtlichen Genehmigungen.

Zunächst gilt auch hier: Ein Eigentümerwechsel muss für einen Versicherungsnehmer nicht automatisch einen Nachteil bedeuten.

Dennoch halten wir es für angebracht, diese Entwicklung nicht lediglich als gewöhnlichen Wechsel innerhalb der Versicherungswirtschaft zur Kenntnis zu nehmen.

Wer ist Chesnara?

Chesnara ist eine börsennotierte britische Versicherungsgruppe, die sich unter anderem auf die Übernahme und Verwaltung bestehender Lebens- und Rentenversicherungsbestände spezialisiert hat.

Das Unternehmen beschreibt eines seiner wesentlichen strategischen Ziele selbst mit der Maximierung des Wertes bestehender Versicherungsbestände.

Daneben sollen weitere Lebensversicherungsunternehmen und Vertragsbestände erworben werden. Chesnara bezeichnet sich inzwischen als europäischen Spezialisten für die Konsolidierung solcher Bestände.

Scottish Widows Europe wird von Chesnara ausdrücklich als geschlossener Lebens- und Rentenversicherungsbestand eingeordnet. Rund 46.000 Verträge mit einem verwalteten Vermögen von etwa 1,7 Milliarden Euro sollen übernommen werden.

Bemerkenswert für den deutschen Markt: Nach Angaben von Chesnara entfallen rund 88 % des Bestandes auf Deutschland.

110 Mio. Euro Kaufpreis – mehr als 250 Mio. Euro erwartete Cash-Generierung

Interessant ist insbesondere die wirtschaftliche Betrachtung der Übernahme….

Chesnara zahlt für Scottish Widows Europe rund 110 Mio. Euro. Gleichzeitig erwartet das Unternehmen aus dem übernommenen Versicherungsbestand über dessen verbleibende Laufzeit eine Cash-Generierung von rund 250 Mio. Euro!

Davon sollen nach eigenen Angaben bereits rund 100 Mio. Euro innerhalb der ersten fünf Jahre nach der Übernahme entstehen. Chesnara spricht in seiner Investorenpräsentation ausdrücklich von einer erheblichen Wertschaffung für seine Investoren.

Natürlich bedeutet dies nicht, dass diese Beträge unmittelbar zulasten einzelner Versicherungsnehmer erwirtschaftet werden.

Es stellt sich aus Sicht eines Maklers und Versicherungsnehmers aber dennoch eine durchaus berechtigte Frage: Woher soll bei einem geschlossenen Versicherungsbestand dieses erhebliche zusätzliche Cash-Potenzial kommen?

Die Antwort liegt im Geschäftsmodell solcher Bestände. Cash entsteht unter anderem aus den laufenden wirtschaftlichen Ergebnissen des Bestandes, aus Gebühren und Margen, aus frei werdendem regulatorischem Kapital sowie aus einer möglichst effizienten Verwaltung und Kapitalsteuerung. Chesnara selbst bezeichnet die bestehenden Versicherungsbestände als zentrale Quelle der Cash-Generierung des Konzerns; die aus Akquisitionen resultierende Cash-Generierung unterstützt nach eigenen Angaben auch die Dividendenstrategie.

Gerade deshalb sollten aus unserer Sicht die Interessen des neuen Eigentümers und insbesondere die Interessen der Versicherungsnehmer im Blick behalten werden.

Erfahrungen mit geschlossenen Versicherungsbeständen

Auch in Deutschland wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Lebensversicherungsbestände verkauft oder in sogenannte Run-off-Strukturen überführt.

Ein Run-off muss nicht zwingend bedeuten, dass vertragliche Leistungen nicht mehr erbracht werden oder Verträge unsicher werden.

Aus unserer praktischen Tätigkeit beobachten wir jedoch bei älteren und geschlossenen Vertragsbeständen immer wieder Veränderungen, die Kunden unmittelbar wahrnehmen:

längere Bearbeitungszeiten, wechselnde Ansprechpartner, schwieriger werdende Kommunikation sowie teilweise eine geringere Transparenz bei der laufenden Betreuung und Berichterstattung.

Ob und in welchem Umfang sich solche Entwicklungen auch bei Scottish Widows Europe ergeben werden, lässt sich heute selbstverständlich nicht vorhersagen.

Aber gerade bei Verträgen, die häufig noch viele Jahre oder sogar Jahrzehnte laufen sollen, halten wir es für falsch, solche Veränderungen völlig unbeachtet zu lassen.

Und was wissen die Makler und Kunden?

Erstaunlich ist zudem, dass der bevorstehende Eigentümerwechsel bei vielen betroffenen Maklern und Versicherungsnehmern bislang offenbar kaum angekommen ist.

Obwohl die Übernahme (allerdings lediglich auf der Scottish Widows Website) bekanntgegeben wurde, berichten uns Makler und Kunden bislang regelmäßig, dass ihnen diese Entwicklung nicht bekannt war.

Gerade bei langfristigen Lebensversicherungsverträgen stellt sich daher die Frage, ob man einen solchen Vertrag einfach unverändert weiterlaufen lässt – oder ob der erneute Eigentümerwechsel nicht ein sinnvoller Anlass ist, die wirtschaftliche Situation und die bestehenden Handlungsmöglichkeiten des Kunden nochmals genauer zu betrachten.

Unser Hinweis an Sie

Sollten Sie in Ihrem Bestand noch Kunden mit Verträgen von Clerical Medical bzw. Scottish Widows Europe betreuen, empfehlen wir, diese Verträge jetzt wieder aufzugreifen. Nicht, weil aufgrund der Übernahme vorschnell gehandelt werden müsste.

Aber sehr wohl, weil wir der Auffassung sind:

Wer einen langlaufenden Lebensversicherungsvertrag besitzt, sollte wissen, wer diesen künftig verwaltet, welches Geschäftsmodell der neue Eigentümer verfolgt und welche wirtschaftliche Perspektive der eigene Vertrag noch bietet.

Gerade bei älteren Clerical-Medical-Verträgen kann darüber hinaus eine Prüfung möglicher Widerspruchs- bzw. Rückabwicklungsmöglichkeiten und Erfüllungsansprüche sinnvoll sein.

Entsprechende Verträge sollten daher unbedingt geprüft werden.

Unser Fazit:

Die Übernahme durch Chesnara ist kein Anlass für Panik – aber ebenso wenig ein Anlass, einfach wegzusehen.

Wenn ein auf die Übernahme und Verwaltung von Lebensversicherungsbeständen spezialisierter Konzern für einen Kaufpreis von rund 110 Mio. Euro einen Bestand übernimmt und daraus eine Cash-Generierung von mehr als 250 Mio. Euro erwartet, muss man als Makler und Versicherungsnehmer durchaus genauer hinsehen.

Für Rückfragen oder zur Einreichung konkreter Verträge stehen wir Ihnen wie gewohnt gerne zur Verfügung.